Interview:  Thomas Ploss
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Sportchef Radio Euroherz und Kommentator „EISZEIT“

Radio Euroherz EISZEIT – einmalig in der Oberliga und auch darüber hinaus, dass ein Radiosender alle Heim- und Auswärtsspiele eines VEReins live überträgt. Wer hatte einst diese bahnbrechende Idee?

Entstanden ist die Idee vor sechs Jahren – der VER war gerade in die Oberliga aufgestiegen – und wir haben in der Redaktion ein bisschen „herumgesponnen“. Schnell sind wir dann auf Eishockey gekommen. Etwas länger dauerte die Umsetzung, weil wir einen gewissen Standard in vernünftiger Qualität liefern wollten.

Hier hatten wir mit den Kollegen in Regensburg einen super Partner gefunden, die solche Übertragungen schon länger machten und uns bei der Umsetzung der Idee halfen. Es gibt in Deutschland zwar ein paar Stationen, die Eishockey übertragen, aber nicht in der Ausführlichkeit und nicht jedes Spiel live wie bei Radio Euroherz.

Der Fan kann vom Wohnzimmer aus, die Spiele live verfolgen, aber für Dich – und Roman Zeilinger – bedeutet dies in den Wintermonaten an den Wochenenden Dauerstress und Reisestrapazen. Zurückblickend auf die 292 Übertragungen: Stress oder Spaß? Was überwiegt?

Es ist schon stressig, weil die Übertragungen meist zum normalen Dienst dazu kommen, d.h. nach langen Auswärtsspielen ist hin und wieder eine Frühschicht ab 5 Uhr im Sender drin…viel Zeit zum Schlafen bleibt da nicht. Aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß, besonders natürlich, wenn die Wölfe gewinnen. Eishockey ist einfach ein geiler Sport, man merkt, dass die „Eiszeit“ bei unseren Hörern sehr gut ankommt. Es gibt zwar keine exakten Zahlen, aber allein wie oft man darauf angesprochen wird, ist der Wahnsinn. Meistens übrigens, positiv. Das lässt den Stress sehr schnell in den Hintergrund rücken. Nachdem ich in den ersten drei Saisons Einzelkämpfer war, bin ich froh, dass jetzt Roman Zeilinger mit dabei ist, aber auch Kai Losert hat mich schon vertreten. Jetzt kann man auch mal krank sein oder andere Verpflichtungen wahrnehmen. Und die Familie freut sich auch, wenn der Papa am Wochenende mal zwei Tage zuhause ist.

Die Fans – selbst die unserer Gegner – schätzen Eure Übertragungen im Radio. Bis zum Eröffnungsbully müsst ihr aber einiges erledigen, damit die Radioschaltungen klappen oder?

Zuerst zum Lob. Das tut gut – wir versuchen trotz aller Nähe zum VER möglichst neutral zu berichten. Natürlich freuen wir uns über Wölfe-Tore und Siege, doch wenn man mal nicht ganz so gut spielt, sagen wir das auch. Damit die Übertragung klappt, braucht es zuerst einmal eine Leitung, die bestellt werden muss. In der Oberliga ist das kein Problem, weil man uns inzwischen kennt und auch genügend Vorlauf hat. In den Play-Offs wird es dann stellenweise schon ganz schön knapp, denn dann bleiben meist nur ein paar Tage und nicht jedes Stadion verfügt über einen ISDN-Anschluss – dann rotiert unsere Technik und verhandelt mit der Telekom – bis jetzt immer erfolgreich. Ansonsten ist das Übliche zu tun: Eintrittskarten bestellen, Statistiken wälzen, anreisen, kommentieren, Interviews führen, heim fahren, Nachricht und Beiträge fürs Programm schreiben und ab ins Bett.

Du kommst somit viel herum in Eishockey Deutschland. Eine lustige Geschichte was man da alles erlebt?

Einmal haben sie mir in Deggendorf nach dem Spiel mitten im Interview mit Vorstand Thomas Manzei den Stecker gezogen. Die waren wahrscheinlich sauer, dass sie gegen die Wölfe in den Play-Offs ausgeschieden waren. Da wären am Kommentatorenplatz fast die Fäuste geflogen, der Vorfall ging dann bis zum DEB. Oder in Weiden 2012. Die haben dort eine eigene ISDN-Anlage von der Stadt, bei der man die „Null“ vorwählen muss. Leider wusste das niemand und ich habe keine Verbindung zum Studio bekommen. Gott sei Dank ging beim Warmup eine Scheibe zu Bruch und wir hatten ein paar Minuten länger Zeit um das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Frage aller Fragen: Gibt es die Euroherz-Eiszeit auch in der kommenden Saison?

Ich hoffe es … aber natürlich ist eine solche Sendung für uns sehr kostenintensiv. Technik, Sprit, Personal und sonstiges gehen durchaus ins Geld. Ohne Sponsoren könnten wir uns das nicht leisten, weil wir bei Radio Euroherz ausschließlich werbefinanziert arbeiten.

Beitragsserien: Wölfe hinter den Kulissen