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Fanliebling, toller Teamkollege und schlagfertig auf und neben dem Eis – Stürmer Achim Moosberger blickt im Interview zurück

Der 27jährige Stürmer mit der Rückennummer #57 ist für viele aus dem Verein eigentlich nicht mehr wegzudenken – immerhin hat er acht seiner insgesamt neun Profijahre hier bei den Selber Wölfen verbracht. Seine offene Art kam bei Vorständen, Teamkollegen und Fans gut an und jeder amüsierte sich gerne über den schlagfertigen und teilweise fast derben Humor, den der gebürtige Schwabe mit sich brachte.

Warum er nun seine Schlittschuhe an den berühmtberüchtigten Nagel hängt, erzählte er dem VER Selb-Presseteam im nachfolgenden Interview.

Achim, wann und wie bist du zu dem Entschluss gekommen, deine Eishockey-Karriere zu beenden?

Es war ein schleichender Prozess. Ich habe die letzten zwei Jahre schon nicht mehr nur Eishockey gespielt, sondern sehr intensiv an der eigenen Firma gearbeitet. Irgendwann merkt man einfach, dass beides zusammen nicht mehr zu vereinbaren ist. Ich war immer ein 100%iger Typ, habe stets Vollgas gegeben. Die Jungs können das sicher bestätigen: Bei jedem Spiel oder auch im Training, legt sich eine Art Kippschalter um: Deinen Job auf dem Eis machst du entweder ganz oder gar nicht. Wenn du dann merkst, dass Selbständigkeit und Eishockey zusammen zu viel werden, dann musst du dich entscheiden.

Wie fühlt es sich an, seine große Leidenschaft aufzugeben, die man von Kindesbeinen an gelebt hat?

Noch ist es ziemlich surreal, um ehrlich zu sein. Ich habe das noch nicht richtig realisiert. Denn erst mal ist ja alles so wie immer – man geht einfach in die Sommerpause. Wir hatten die Abschlussfeier mit den Fans, haben alle nochmal eins zusammen getrunken, am Nachmittag treffe ich mich noch mit Familie Gare, den McDonalds und Charley und wir essen zusammen, bevor sie über den Sommer nach Hause fliegen. Es ist also alles so wie jedes Jahr. Nur wird es dieses Mal keinen Anfang mehr geben. Wenn im September alle wieder auf dem Eis stehen, ja ich glaube, da sticht es dann erst so richtig.
Oder in einigen Wochen, wenn mir vielleicht klar wird, dass es das jetzt war. Alles in allem ist es ein schwerer Schritt für mich. Ein komisches Gefühl… Aber bevor ich etwas nur noch mit dem halben Hintern mache, mache ich es gar nicht.

Dein letztes Spiel auf heimischem Eis gegen die Tilburg Trappers wird uns allen in Erinnerung bleiben – nicht zuletzt wegen der hitzigen letzten Minuten. Bist du glücklich darüber, dass du Gelegenheit hattest, dich von den Fans hier in Selb zu verabschieden und deine Karriere „zuhause“ zu beenden?

Also erst mal Respekt an die Fans, die noch mit nach Tilburg gereist sind zum letzten Auswärtsspiel. Aber ja, ich bin froh, dass ich mich vom Großteil der Fans in Selb verabschieden konnte. Das war schon sehr emotional – denn das Spiel war sehr gut besucht und die Stimmung war noch richtig angeheizt. Und ich glaube, auch wenn wir dieses Spiel verloren haben und damit die Playoffs vorbei waren: Ich hatte unter diesen Umständen den besten Abschied, den ich mir hätte wünschen können.

Was waren für dich persönliche Highlights in Selb? Welche Erlebnisse wirst du niemals vergessen?

In meinem ersten Jahr hier hatte ich Besuch von meinen Verwandten – meine Eltern, Onkels und Brüder waren da, sogar Freunde aus der Kindheit. Wir spielten ein Derby gegen Bayreuth und es stand 1:1. Das Stadion war damals tatsächlich ausverkauft und ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Fiedler schießt an den Pfosten, das Ding fliegt mir an die Hose – ein klassisches Moosberger-Tor – und das kurz vor Schluss. Das war dann also der 2:1 Derby-Sieg gegen Bayreuth und zwar vor meinen ganzen Leuten. Das werde ich niemals vergessen.
Aber auch viele andere Sachen werden mir in Erinnerung bleiben. Viele Eindrücke, die bei mir hängen geblieben sind, wie zum Beispiel Kabinen-Ansprachen von Dan Heilman oder die Mannschafts-Abende, die wir hatten. Es war alles in allem weit mehr als nur Sport.

In den letzten Jahren in Selb hast du sicherlich nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde gefunden. Wird man dich künftig in irgendeiner Form mal wieder hier sehen?

Klar, irgendjemand muss sich schließlich um Lanny kümmern (lacht). Ich werde natürlich hin und wieder zu den Spielen kommen, mir das von oben angucken und selbstverständlich die Mannschaft niemals auspfeifen, egal was passiert, versprochen!

Vor vier Jahren hast du das Unternehmen TRIEBWERK Energy gegründet – sicher mit dem Gedanken, ein solides Standbein zu haben, wenn die Eishockey-Karriere zu Ende geht. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ab dem du dich voll und ganz deinem „Baby“ widmen kannst. Was begeistert dich am Unternehmertum am meisten?

Dass man selbst für alles verantwortlich ist. Die Zeit und die Arbeit, die man investiert, macht man für sich selbst beziehungsweise für das Unternehmen, das man gerade aufbaut. Das war auch beim Eishockey so.
Du spielst und trainierst nicht für irgendwen, sondern für dich und deine Jungs. Wenn du nicht alles gibst, schadest du am Ende nur dir selbst und der Mannschaft – und so ist es auch im Unternehmen. Wenn du früh nicht aus dem Bett kommst oder wenn du nicht auf dieser oder jener Messe vertreten bist oder abends deine E-Mails abarbeitest, dann ist das dein Problem. Ich finde, es gibt da sehr viele Parallelen zwischen Unternehmertum und Leistungssport. Dazu kommt, dass ich so tolle Leute um mich herum habe, die das alles mit mir durchziehen. Gerade Klaus Möhwald ist auch so ein Vollgas-Typ, von dem ich so viel lernen kann.

Welche Ziele verfolgst du mit TRIEBWERK, wo soll die Reise langfristig hingehen?

Möwe (Klaus Möhwald) sagt immer: Wenn wir alle davon leben können, Spaß haben an dem, was wir tun und jeden Tag mit einem Lächeln kommen und gehen, dann haben wir alles richtig gemacht. Alles Weitere ist dann der Bonus. Wenn man jung ist und am Anfang steht, denkt man sich natürlich: Schon klar, ich will aber auch richtig Kohle verdienen. Ich denke, Möwe hat recht. Aber auch hier ziehe ich wieder die Parallele zum Sport mit der Frage, welches Ziel ich verfolge. Die Antwort liegt auf der Hand: Ich will gewinnen, wie beim Eishockey. Niemand sagt, ich möchte Achter werden. Nein! Ich will das letzte Spiel der Saison gewinnen und genau so ist das auch mit TRIEBWERK. Natürlich ist es schön, wenn wir alle davon leben können aber langfristig wollen wir einfach das Beste dabei herausholen.
Mit einem breiten Grinsen ergänzt Achim: Und dann schauen wir mal, wohin das führt. Wer weiß, vielleicht ist TRIEBWERK irgendwann das Pendant zu Red Bull Salzburg – also quasi TRIEBWERK Selb als Eishockey-Standort (lacht).

Wie wirst du künftig für sportlichen Ausgleich sorgen?

Ich mache gerne Sport und brauche das auch. Aktuell gehe ich jeden Tag vor meiner Büroarbeit ins Fitness-Studio, bringe da meinen Kreislauf in Schwung, trainiere ein bisschen – das gehört bei mir dazu. Eishockey spielen werde ich sicher nicht mehr. Aber ich habe gehört, Schiedsrichter zu sein soll auch ganz viel Spaß machen. Meine beiden Brüder versuchen schon seit Jahren, mich davon zu überzeugen. Und dass wir gute Schiedsrichter in dieser Liga brauchen können, das durften wir ja auch selbst schon schmerzlich erfahren…

Was wirst du vermissen – hier in Selb und speziell was den Verein betrifft?

Ganz klar die Kameradschaft, die man im Eishockey hat. Ich glaube, das gibt es in dieser Form kaum wo anders. Dieses zusammen durch dick und dünn gehen, da sind so viele Emotionen dabei auf dem Eis oder in der Kabine. Sicherlich wird das auch in anderen Mannschafts-Sportarten so ein. Aber ich denke, je kontaktfreudiger eine Sportart ist, desto intensiver ist das Ganze. Man wächst zu einer Art Familie zusammen – das wird mir am meisten fehlen. Das ist im Berufsleben anders. Man arbeitet zwar jeden Tag zusammen, aber man geht nicht so durch dick und dünn, wie das im Sport ist. Man kracht hier nicht zusammen in die Bande, möchte sich gegenseitig den Kopf abreißen und danach sitzt man doch wieder bei einem Bier zusammen. Man sieht die Jungs teilweise vier oder fünf Stunden am Tag, also schon fast mehr als seine eigene Familie. Das ist schon was Besonderes. Ein Außenstehender kann nicht im Detail nachvollziehen, wie intensiv die Spieler eine Saison erleben. Und das ist es, was mir fehlen wird. Natürlich kann ich mit den Jungs noch etwas unternehmen, aber ich bin dennoch nicht mehr Teil des Ganzen.

Gibt es etwas, was du zum Abschied gerne loswerden möchtest?

Ich habe es nicht bereut, acht von neun Jahren hier verbracht und mit dem Verein Höhen und Tiefen erlebt zu haben. Am Ende des Tages bleibt nur zu sagen: Wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich alles genau so wieder tun.

Spiele Tore Vorlagen Strafen

Selber Wölfe, Oberliga seit 2011
Geburtstag: 25.02.1992
Geburtsort: Filderstadt
Größe: 1,77 m
Gewicht: 86 kg
Spiele: 346
Tore: 134
Vorlagen: 120
Strafen: 403 

Der VER Selb e.V. bedankt sich bei Achim Moosberger für wundervolle acht Jahre und wünscht ihm für seine neue berufliche Herausforderung sowie auch für seine private Zukunft alles erdenklich Gute.

Das beigefügte Bildmaterial ist von Mario Wiedel.

Beitragsserien: Kaderplanung 2019/2020